SALIMA

(Übersetzt: sicher ... secret)

 

Hallo, ich stelle mich euch kurz vor:

Man hat mich Salima genannt, weil ich jetzt an einem Platz bin, wo ich sicher bin.


Ich bin schon sehr alt und erst seit kurzer Zeit in Deutschland. 
Mein bisheriges Leben erzähle ich euch hier einmal kurz.

 

Mein altes Leben

Ich kroch aus meinem Ei und lebte für sehr lange Zeit in Südamerika in einem ganz tollen Regenwald. Da ich meinen Kopf nicht gerade halten kann, war ich sehr froh, dass ich mich da sehr gut auskannte und immer wusste, welches Futter es an welcher Stelle gab. Die Versteckplätze waren mir in Fleisch und Blut übergegangen und ich wusste immer wie weit ich noch bis zum nächsten Unterschlupf zu gehen hatte. Das war sehr wichtig für mich, denn durch  meine Behinderung musste ich mein Leben ein wenig durchorganisieren und konnte nicht so munter und frei durch den Wald ziehen, wie meine anderen Geschwister. Das Leben war toll und ich wollte niemals dort wegziehen. Ich hatte ja auch alles was ich brauchte und fand mich prima zurecht.

 

 

OH Schreck!

Dann kam der Tag der alles änderte. Ich sass da an meinem Lieblingsplatz und wollte mich sonnen. Der Magen war voll und es versprach ein toller Tag zu werden. Plötzlich bebte die Erde, Schritte waren zu vernehmen, wie es plötzlich so komisch zu riechen begann. Ein schweissgebadeter Mann kam immer näher auf mich zu. 
Was wollte der denn von mir? 
Die Angst kroch in mir hoch und ich zog mich ganz schnell in meinen Panzer zurück.

Zu spät, er hatte mich schon entdeckt! Eine grosse Hand kam auf mich zu, ergriff meinen Panzer, hob mich in die Höhe und warf mich in einen dunklen Sack! Da waren noch viele meiner Bekannten und Verwandten drin. Wir waren geschockt, was da passiert war. Jeder drückte raus, was er zu bieten hatte an Kot und Urin, in der Hoffnung sie würden uns dann wieder an unsere Plätze zurückbringen. Weit gefehlt. Der Sack wurde hochgenommen, es hat geschaukelt und unsere Panzer knallten gegeneinander. Das hat sehr weh getan! Viele haben vor Schmerzen nicht mehr ein noch aus gewusst, aber es gab keine Möglichkeit zu fliehen! 

Wir wurden noch ein paar Mal abgesetzt und wir haben alle gehofft, das er aufgeht und wir raus dürfen, aber es kamen immer noch mehr dazu. Was wollte der Mann von uns? Wir wurden wieder einmal hingestellt und sieh da, man machte ihn auf, es kam Sonne herein und wir waren alle erleichtert. Doch was war das denn nun? Der Sack wurde von unten her angehoben und wir stürzten alle übereinander in ein grosses Loch in der Erde. Mir hat jeder Knochen einzeln wehgetan. Ich musste erst mal schauen, ob mein Panzer noch ganz war, nachdem man uns aus dem Sack geleert hatte.

Nun waren wir zwar wieder befreit, aber aus dem Loch konnten wir nicht heraus, es war einfach zu tief! Trotz intensivster Bemühungen hat es keiner von uns geschafft, da hinauszuklettern. Kein Wasser weit und breit und so langsam kroch der Hunger in mir hoch. Woher bekommt man denn hier Futter? Tage vergingen und wir wurden immer hungriger und durstiger und nichts geschah. Dann endlich, ein Mensch kam zu uns und gab uns was zu fressen. Was ist denn DAS? Maiskolben? Sollen wir das fressen, schmeckt das? Der Hunger war zu gross und wir frassen gierig alles was sie uns gegeben hatten. So lebten wir die nächsten Wochen, immer wieder brachte man uns diesen Mais und dann waren wir wieder allein. Wir redeten über unsere Vergangenheit und wie toll es früher gewesen ist. Viele weinten und waren verzweifelt und viele sind auch gestorben. Sie hatten zu grosse Verletzungen vom Sturz in die Grube erlitten und wir konnten ihnen ja nicht helfen! Es war eine sehr schlimme Zeit!

 

Der Versand

Eines Tages kamen Autos angefahren, Kisten wurden ausgepackt und Menschen kamen an unser Loch. Sie packten uns und legten uns in diese Kisten. Wenigstens tat das nicht mehr so sehr weh. Unangenehm war es trotzdem, weil auf meinem Rücken eine andere Schildkröte deponiert wurde. Die begann dann auch noch zu kratzen und wollte da runter. Meine Behinderung war ihr egal, sie ist mir so oft auf mein Auge getreten und ich wünschte, sie wäre unten an meiner Stelle gewesen.

Der Deckel wurde geschlossen und wir waren wieder mal im Dunkeln. Sie haben die Kiste hochgenommen und dann woanders wieder hingestellt. Dann war ein furchtbarere Lärm und alles schaukelte schrecklich. es hat gezogen, so einen Wind hatte ich zuvor noch nie erlebt. Viel später war dann das Geräusch und das Schaukeln vorüber, auch die Zugluft war verschwunden. Unsere Kiste wurde wieder hochgenommen und transportiert. Es roch alles so merkwürdig! Worte wie Abflug, Maschine, Gepäckwagen und so was wurden genannt. Wir hatten keine Ahnung was das soll und wir kannten diese Worte auch nicht. Was wir mitbekamen war nur, dass wir im Dunkeln sassen und immer wieder transportiert wurden. Nun wurde es plötzlich eisig kalt. So kalt wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Mann haben wir gefroren! Wir wurden wieder herumgefahren und abgestellt, dann fuhren uns die Ohren zu. Seltsame Geräusche waren zu hören, wir hatten fürchterliche Angst, Hunger und Durst. Bewegen konnten wir uns da drin gar nicht mehr!

Die Kisten wurden immer wieder mal kurz geöffnet, Menschen haben hereingesehen und Dinge genuschelt wie *Ja alles ok, die Papiere stimmen*, dann wurde sie wieder geschlossen.

 

Die Ankunft in Deutschland

Nach einer langen Zeit in dieser Kiste, wurde der Deckel wieder einmal abgenommen. Wir wurden herausgenommen und jemand erzählte was von 23-24-25 ... immer wenn er einen neue Schildkröte in die Hand genommen hatte, sagte er eine andere Zahl .. schon merkwürdig, was da passierte. Als die letzte von  uns aus der Kiste genommen wurde sagten die Menschen "Ok, vollständige Lieferung", was soll denn das nun wieder bedeuten? 

Wir kamen in einen Behälter aus Glas, es war endlich wieder einmal Platz für uns alle, dass wir nebeneinander stehen konnten. Der Boden war angenehm feucht und endlich war da auch wieder Wasser. Ich habe getrunken, so viel wie noch  nie zuvor in meinem Leben. Ich hatte Schmerzen überall. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich gar keine Krallen mehr an den Vorderfüssen hatte. Mein Magen tat weh und mir war so was von schlecht!

Ein Mensch kam zu uns und brachte uns Futter. Für mich undefinierbare Dinge, die ich bislang nicht kannte! Ich hatte Hunger, aber mir tat alles so weh, dass ich gar nicht fressen wollte und konnte. Die anderen haben sich über das angebotene Futter hergemacht, aber mir war alles zuviel. Ich ass die nächsten Wochen nichts, denn es ging mir immer schlechter. Immer wieder wurde ich herausgenommen und geschüttelt und betrachtet, aber helfen konnte mir dort niemand.

Ich wollte ich wäre wieder zu Hause in Südamerika! 
Da, wo die Welt für mich in Ordnung war bis zu dem Tag als ich gefangen wurde. 

Warum nur hat man mir das angetan?

(Fortsetzung folgt)